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Bienwald-Waldgeschichte

Johannes Becker vom Forstamt Kandel, unter anderem zuständig für den Bereich Umweltbildung, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Waldgeschichte des Bienewaldes. Für den Pflege und Entwicklungsplan zum Naturschutzgroßprojekt Bienwald hat er eine ausführliche Beschreibung erarbeitet.
Hier einige Schlaglichter aus der Bienwald-Waldgeschichte von Johannes Becker verfasst:

  • Während des gesamten Mittelalters blieb der geschlossene Waldkomplex des Bienwaldes von großflächigen Rodungen verschont.

  • Die älteste auffindbare Waldordnung stammt von 1442, die erste Kiefernsaat erfolgte wahrscheinlich um 1576. Seither kam es im Zuge intensiver Holznutzung, Waldweide und Streunutzung, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zur starken Ausbreitung der Kiefer.

  • Nach einem Rückgang der Eichen im Zuge des „Holländerhandels“ (Verwendung von Eichenholz in großem Umfang beim Schiffsbau) wird 1718 das Verbot erlassen „in Zukunft mehr als eine Eiche an einem Ort zu hauen“. Die Eiche soll künftig sehr „pfleglich„ behandelt werden.

  • Die Kriegswirren des 17., 18. und frühen 19. Jahrhunderts, mit wechselnden Besitzansprüchen und wiederkehrenden Zerstörungen sowie die damit verbundene Not der Bevölkerung führen zu großem Holzbedarf und starken Eingriffen. Sehr umfangreich sind die Waldfrevel im Bienwald. Der Diebstahl von Holz sowie die Zerstörung von Verjüngungen und Jungwüchsen durch unerlaubte Beweidung illegale Brennholzgewinnung sind an der Tagesordnung, genauso wie Wilderei. Trotzdem bleiben Walddevastationen, die auf großer Fläche zum vollständigen Verlust des Waldes führen, vergleichbar zu Hunsrück und Eifel, aus.

  • Vermutlich kam es 1793 mit den napoleonischen Kriegen zum Ende der früheren forstlichen Bewirtschaftung durch das Bistum Speyer. Es folgt die Säkularisierung des Bienwaldes. Der jetzt vorliegende Staatswaldkomplex besteht überwiegend aus Hochwaldbeständen, die bis dahin geplentert und im Plenterhackenschlag (einzelstammweiser bis kleinflächiger Einschlag) genutzt wurden. Mittel- und Niederwälder kommen im Randbereich des Bienwaldes, vor allem im Kommunalwald und in den Rheinauen vor.

  • Mit dem Friede von Luneville kommt der Bienwald von 1801 bis 1814 in französische Verwaltung. Waldbaulich findet jetzt das sogenannte „Coupensystem“. Anwendung. Das Laubholz wird vorrangig über Grossschirmschläge verjüngt. Es folgen sehr umfangreiche, flächenhafte Eingriffe mit häufig nur unbefriedigender Verjüngung der Bestände.

  • 1816 fällt die Pfalz an Bayern. Eine staatliche Forstverwaltung wird aufgebaut, mit dem Ziel einer nachhaltigen, planmäßigen und kontinuierlichen Waldbewirtschaftung. Vorrangiges Ziel des „bayerischen“ Waldbau ist die Vermehrung des Holzes sowie die Wiederbestockung der vielen Blößen des übernutzten Waldes sowie generell die Wiedereinführung „geregelter Verhältnisse“. In großem Umfang wird die Verjüngung der Eiche gefördert und im Wegebau die Grundstruktur des heutigen Wegenetzes geschaffen.

  • Von 1845 - 1848 wird die erste umfassende Forsteinrichtung des Bienwaldes von Karl Gayer erstellt. Ziel ist die Begründung von Mischbeständen, Naturverjüngung des Laubholzes ggfls. Saat und Pflanzung unter dem Altholzschirm. Beim Nadelholz soll eine Laubholzmischung vorangebaut werden. Gearbeitet wird mit mehrumtriebigen Beständen. Während die Mischbaumarten im Alter von 80 bis 120 Jahren genutzt werden, sind Eichen zur Stark- und Wertholzproduktion ein bis zwei Umtriebe zu überhalten. Der Eichenüberhalt war in Verbindung mit der früheren Plenterwirtschaft jedoch auch schon vor der bayrischen Zeit üblich. Die Eiche wird oft natürlich verjüngt, beim Misslingen der Naturverjüngung wird sie gesäet oder gepflanzt. Die Mischbaumarten stellen sich überwiegend natürlich ein. Es folgen Phasen von flächenhafteren und weniger flächenhaften Vorgehensweisen.

  • Von 1949 - 1968 vollzieht sich die allmähliche Aufgabe der bayrischen Waldwirtschaft und der Übergang zum Kahlschlag als regulärem Verjüngungsverfahren, das jetzt grundsätzlich und unabhängig von den betroffenen Baumarten eingesetzt wird. Die Bewirtschaftung des Waldes im 120-jährigen Umtrieb mit Überhalt der Eichen wird aufgegeben. Angestrebt werden jetzt möglichst flächenhafte Eichenbestände mit relativ geringen Mischungsanteilen, die anschließend bei einer Umtriebszeit von etwa 200 bis 240 Jahren im Kahlschlag genutzt werden sollen. Vorhandene Eichenaltbestände werden jetzt später in die Verjüngung genommen, gleichzeitig jedoch auf die Fortsetzung der früheren Überhaltswirtschaft verzichtet. Auf der einen Seite werden Einzelflächen jetzt deutlich älter als früher, auf der anderen Seite kommt es jetzt zu großflächigen Kahllagen und wenig gemischten Jungbeständen.

  • Von 1970 bis 1985 bestimmt die klassische Kahlschlagswirtschaft den Waldbau des Bienwaldes. Naturverjüngung und Überhaltswirtschaft sind zur Ausnahme geworden. Gefördert wird die neue Wirtschaft durch das Ziel des Abbaus von im 2.Weltkrieg entstandenen Splitterschäden sowie das Ziel des Umbaus von Nadelbeständen in Laubholz. Begünstigt wird die Flächenwirtschaft nach den Weltkriegen auch durch die großen Reparationshiebe sowie die notwendige Wiederbestockung der geräumten Westwalllinie, der ehemaligen Minenfelder und Brandflächen. In einem Umfang entstehen neue Eichenkulturen und Jungbestände, wie es seit dem Beginn der bayrischen Zeit nicht mehr der Fall war.

  • Ab 1985 beginnt der allmähliche Übergang zur Naturnahen Waldwirtschaft. Vorratspflege, Verjüngung unter Altholzschirm und Mischbestandswirtschaft gewinnen erneut an Bedeutung und setzen sich im Bienwald bis Ende der 90iger Jahre durch. Der Waldbau nähert sich dabei wieder den bayrischen Wirtschaftsmethoden an und führt auch wieder zu ähnlichen ungleichaltrigen Waldstrukturen, Mischungsverhältnissen und Waldbildern.

  • Mitte der 90iger Jahre kommt es im Bienwald durch eine Schwammspinner-kalamität zu umfangreichen Schäden bei der Eiche. Massiv betroffen sind auch viele extrem starke Alteichen, auf deren Nutzung schon seit Jahrzehnten aus Aspekten des Landschaftsbildes sowie des Arten- und Biotopschutzes verzichtet wurde.

  • Die Waldschadenssituation bei der Eiche führt seither dazu, dass im Starkholz fast nur noch abgängige Eichen, also Bäume mit deutlichen Schadensmerkmalen eingeschlagen werden, bevor ihre wirtschaftliche Entwertung eintritt. Der Einschlag an gesunden Bäumen wird entsprechend reduziert.

  • Am 26.12.1999 fallen bei „Lothar“ dem bisher dokumentiert stärksten Sturm im Bienwald 300 – 350.000 fm Schadholz an. Eine Fläche von etwa 530 ha wird vollständig verwüstet. Überproportional betroffen sind Nadelholzbestände.