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Die Waldfunktionen des Bienwaldes (Teil 2)

von Astrid Berens, Landesforsten Rheinland-Pfalz
Zentralstelle der Forstverwaltung


Der Bienwald ist ein wahres Multitalent. Er erfüllt vielfältige Funktionen.

So ist er Quelle des stetig nachwachsenden Rohstoffes Holz. Ob als Bau-, Möbel- oder Brennholz – vielseitig sind die Bienwaldbäume zu nutzen.

Der Bienwald ist aber auch Lebensraum einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt, die einzigartig in ganz Deutschland, ja sogar in Europa ist.

Der Wald schützt, sichert und erhält. Er wirkt sich günstig auf die Lufthygiene, das Klima sowie den Boden- und Wasserhaushalt aus.

Nicht zuletzt dient der Bienwald dem Menschen als Erholungsraum. Für die ansässige Bevölkerung ist er zudem Identifikationsmerkmal der heimischen Umwelt und Zeugnis der kulturlandschaftlichen Entwicklung der Region.

Im Wechsel mit dem landwirtschaftlich geprägten Viehstrich und den sich anschließenden weinbaulich strukturierten Gebieten prägt der Bienwald in entscheidender Weise das Landschaftsbild. Er steigert mit all seinen Funktionen die Attraktivität der Landschaft und leistet somit auch einen Beitrag für den Fremdenverkehr in der Region.

Die Bewahrung dieser Multifunktionalität ist eine zentrale Aufgabe von Landesforsten Rheinland-Pfalz. Durch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung schaffen die Försterinnen und Förster einen ausgewogenen Umgang mit den unterschiedlichen und sich stetig ändernden gesellschaftlichen Ansprüchen am Bienwald.

 

Die unterschiedlichen Funktionen des Bienwaldes werden im einzelnen vorgestellt:

Lokaler Immissionsschutzwald

Wir leben und arbeiten auf engsten Raum. So erstreckt sich z.B. neben einem Gewerbegebiet ein wertvolles Biotop oder eine Deponie liegt in Sichtweite zu Wohngebieten und Erholungsbereichen. Unser Lebensraum wird multifunktional genutzt und das bereits seit geraumer Zeit. In der Vergangenheit wurden viele Maßnahmen getroffen, um für den Menschen und die Umwelt schädliche Luftemissionen zu reduzieren. Mit dem Einsatz von Filteranlagen, dem Umstellung von Produktionsprozessen, etc. wurde bereits einiges erreicht. Trotzdem lassen sich die Emissionen nicht auf Null herunterfahren. Wald in definierten Abständen um Emissionsquellen (Emittenten) kann allerdings Wohn-, Arbeits- und Erholungsbereiche, land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen sowie wertvolle Biotope vor den noch bestehenden nachteiligen Wirkungen durch Gase, Stäube und Aerosole schützen oder diese vermindern. Dieser Wald wird als lokaler Immissionsschutzwald bezeichnet. Emittenten sind z.B. Deponien, Kläranlagen, Raffinerien, Anlagen zur Gewinnung von oberflächennahen Rohstoffen wie Sand, Kies, von denen es allerdings kaum welche im Bienwald bzw. nur wenige angrenzend am Bienwald gibt.
Dabei „kämmt“ der Wald durch sein Blätter- bzw. Nadeldach und der damit verbundenen großen Oberfläche die in der Atmosphäre enthaltenen gas- und staubförmigen Luftinhaltsstoffe und durch Regen oder Nebel gelöste Elemente heraus.
Dort, wo Wälder besondere Schutzfunktionen erfüllen müssen, sind Aufbau und waldbauliche Behandlung der Wälder an den entsprechenden Anforderungen auszurichten.
Zur Förderung und Erhaltung dieser Immissionsschutzfunktion ist der Wald dauerhaft zu erhalten. Ein mehrschichtiger, dem Standort angepasster Wald ist optimal. Auch ein stufig aufgebauter Waldrand unterstützt die Funktion.


Lokaler Klimaschutzwald

Wer kennt es nicht, sich an heißen Sommertagen im kühlen Bienwald zu erholen. Oder wenn der Wind im Herbst kräftig bläst, sind wir froh, wenn ein windabweisender Wald uns schützt.
Wald hat somit einen starken Einfluss auf unser lokales Klima. Wald wirkt dabei ausgleichend. Durch den vielschichtigen Aufbau des Waldes entstehen unterschiedliche Temperatur- und Feuchtigkeitszonen, die Luftbewegungen entstehen lassen und einen Austausch von Luftmassen ermöglichen. Gerade in der Nähe von Wohnbereichen, aber auch Kur-, Heil- und Freizeiteinrichtungen ist daher der Wald mit dieser lokalen Klimaschutzfunktion wichtig. Daneben schützt der Wald aber auch Sonderkulturen wie Obst- und Gemüseanbauten, Tabakpflanzungen und Rebflächen vor Kaltluftschäden. In einer Tiefe von 500m um diese Schutzobjekte wird der vorhandene Wald als lokaler Klimaschutzwald ausgewiesen.
Dort, wo Wälder besondere Schutzfunktionen erfüllen müssen, sind Aufbau und waldbauliche Behandlung der Wälder an den entsprechenden Anforderungen auszurichten.
Zur Förderung und Erhaltung dieser Klimaschutzfunktion ist der Wald dauerhaft zu erhalten. Stufig und hoch gewachsen sollte der Wald sein. Allerdings ist ein zu dichter und zu schmal ausgeformter Wald ungünstig, da Überfallwinde entstehen können und so die Kaltluft in die sensiblen Bereiche gelangt.


Sichtschutzwald

Der Bienwald und seine Umgebung ist einzigartig. Ein Mosaik aus Wald und Offenlandflächen mit einmaligen Biotopen wie z.B. Flugsanddünen oder Bachauenwäldern bietet gerade für Erholungssuchende eine reizvolle Umgebung. Aber in der Region wird auch gelebt und gearbeitet. So gehören auch größere Bauwerke in z.B. Industrie- und Gewerbegebieten, Abbaustätten für z.B. Kies und Sand, etc. zur Region und sind wichtig für das wirtschaftliche Leben. Wald um diese Anlagen kann mögliche Störungen für das Landschaftsbild mildern bzw. verdecken und schützt auch vor unerwünschten Einblicken. Der Wald trägt hier zum Erhalt und zur Gestaltung des Landschaftsbildes bei. Insbesondere in Naherholungsbereichen kommt dem Sichtschutzwald die Aufgabe zu, die Erholungswirksamkeit besiedelter Räume zu erhöhen bzw. Grenzbereiche zwischen Erholung und Bebauung verträglich zu gestalten. Je nach Ausprägung und Lage des Objektes werden die Waldflächen innerhalb eines Radius von 50m, 100m oder 200m um ein entsprechendes Objekt als Sichtschutzwald ausgewiesen.
Dort, wo Wälder besondere Schutzfunktionen erfüllen müssen, sind Aufbau und waldbauliche Behandlung der Wälder an den entsprechenden Anforderungen auszurichten.
Zur Förderung und Erhaltung dieser Sichtschutzfunktion sollte der Wald strukturreich aufgebaut sein. Je tiefer die Einsichtmöglichkeit in den Waldstreifen ist, desto breiter muss er angelegt werden, um funktionengerecht zu sein.


 

Fragen zum Thema Waldfunktionen und zu den Karten beantwortet gerne Frau Berens (astrid.berens@wald-rlp.de).