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Die Waldfunktionen des Bienwaldes (Teil 1)

von Astrid Berens, Landesforsten Rheinland-Pfalz
Zentralstelle der Forstverwaltung

 

Der Bienwald ist ein wahres Multitalent. Er erfüllt vielfältige Funktionen.

So ist er Quelle des stetig nachwachsenden Rohstoffes Holz. Ob als Bau-, Möbel- oder Brennholz – vielseitig sind die Bienwaldbäume zu nutzen.

Der Bienwald ist aber auch Lebensraum einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt, die einzigartig in ganz Deutschland, ja sogar in Europa ist.

Der Wald schützt, sichert und erhält. Er wirkt sich günstig auf die Lufthygiene, das Klima sowie den Boden- und Wasserhaushalt aus.

Nicht zuletzt dient der Bienwald dem Menschen als Erholungsraum. Für die ansässige Bevölkerung ist er zudem Identifikationsmerkmal der heimischen Umwelt und Zeugnis der kulturlandschaftlichen Entwicklung der Region.

Im Wechsel mit dem landwirtschaftlich geprägten Viehstrich und den sich anschließenden weinbaulich strukturierten Gebieten prägt der Bienwald in entscheidender Weise das Landschaftsbild. Er steigert mit all seinen Funktionen die Attraktivität der Landschaft und leistet somit auch einen Beitrag für den Fremdenverkehr in der Region.

Die Bewahrung dieser Multifunktionalität ist eine zentrale Aufgabe von Landesforsten Rheinland-Pfalz. Durch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung schaffen die Försterinnen und Förster einen ausgewogenen Umgang mit den unterschiedlichen und sich stetig ändernden gesellschaftlichen Ansprüchen am Bienwald.


Die unterschiedlichen Funktionen des Bienwaldes werden im einzelnen vorgestellt:


Lärmschutzwald


Waldfunktionen des Bienwaldes – Lärmschutzwald
Datenquelle: Waldfunktionskartierung 2005, Landesforsten Rheinland-Pfalz

 


In unser dicht besiedelten Landschaft liegen oft Wohn- und Erholungsbereiche nah an Gewerbe-, Industriegebieten und Verkehrswegen. Damit ist der Lärm durch z.B. Straßen-, Flugverkehr und Industrie allgegenwärtig und eines der großen Umweltprobleme unserer Zeit. Lärm kann gesundheitsschädigend auf den Menschen wirken. Es sinkt die Leistungsfähigkeit, führt zu Schlafproblemen, schädigt das Hörvermögen.
Wald kann bei genügender Breite und entsprechendem Aufbau negativ empfundene Geräusche von den sensiblen Wohn- und Erholungsbereichen fernhalten oder dämpfen.
Dabei schluckt der Wald durch sein Blätter- bzw. Nadeldach, durch Äste und Zweige, aber auch durch die Bodendecke insbesondere die hohen Töne und senkt damit den Schalldruckpegel.
Große Waldgebiete wie etwas der Bienwald sind die wenigen uns noch verbliebenen Orte der Stille.

Dieser Lärmschutzwald wirkt dabei in zweierlei Hinsicht. In einer Tiefe von jeweils 100m angrenzend um Lärmquellen, aber auch um betroffene Schutzobjekte kann er schützend wirken. Schutzobjekte sind z.B. Wohngebiete, Park- und Kuranlagen, Krankenhäuser, Friedhöfe. Lärmquellen hingegen sind u.a. Straßen, Bahnstrecken, Schießstände, Flugplätze, Förderanlagen, Kraftwerke, große Freizeitstätten wie Stadien.

Dort, wo Wälder besondere Schutzfunktionen erfüllen müssen, sind Aufbau und waldbauliche Behandlung der Wälder an den entsprechenden Anforderungen auszurichten.
Zur Förderung und Erhaltung dieser Lärmschutzfunktion ist der Wald dauerhaft zu erhalten. Je älter der Wald ist, desto höher ist er gewachsen und kann somit besser den Lärm abfangen. Der Wald sollte dabei geschlossen und stufig aufgebaut sein. Ein lückiger Waldbestand ohne Bodenvegetation und Strauchschicht setzt die Lärmschutzwirkung herunter bzw. kann sogar den Schall noch weitertragen. Ein dichter und stufiger Waldrand nahe an der Lärmquelle bzw. dem Schutzobjekt ist ebenfalls sehr positiv.

 


Verkehrstrassenschutzwald


Waldfunktionen des Bienwaldes – Verkehrsschutzwald
Datenquelle: Waldfunktionskartierung 2005, Landesforsten Rheinland-Pfalz

 

Auch wenn der Bienwald mit zu den großen, zusammenhängenden Waldgebieten in Rheinland-Pfalz zählt und somit fast unberührt und naturnah wirkt, verlaufen in ihm doch auch einige Straßen und Bahnlinien.
Der dort direkt angrenzende Wald in einem Streifen von 50m beiderseits der Verkehrsachsen schützt die Verkehrswege bzw. die Verkehrsteilnehmer.

Als sogenannter Verkehrstrassenschutzwald u.a. entlang der Bundesautobahnen (A 65), der Bundesstraßen (B9), Landesstraßen (L 540, L 545, L 554) und Kreisstraßen (K 15, K 16, K 18, K 19, K 22, K 23) sowie die Bahnstrecken u.a. Richtung Wörth verhindert er Schneeverwehungen und Übersandungen, bietet Schutz vor Nebelbildung in kritischen Lagen und verbessert die Seitenwindverhältnisse. Der Verkehrstrassenschutzwald hilft aber auch dem Verkehrsteilnehmer durch eine verbesserte optische Führung bei kurvenreichen Strecken und wirkt durch abwechslungsreiche Waldbilder einer Ermüdung am Steuer entgegen.

Dort, wo Wälder besondere Schutzfunktionen erfüllen müssen, sind Aufbau und waldbauliche Behandlung der Wälder an den entsprechenden Anforderungen auszurichten.
Die Waldränder der Verkehrstrassenschutzwälder sollten stufig aufgebaut sein. Frühzeitige Durchforstungen (Entnahme von Bäumen) vergrößern die Standfestigkeit der Einzelbäume und fördern das Unterholz.
Um Unfällen durch Wild vorzubeugen, sind keine bevorzugten Wildäsungspflanzen anzubauen. Entlang der Südseite von Straßen sind Laubbäume zu fördern, da sie im winterkahlen Zustand die Besonnung und Erwärmung und damit die schnellere Abtrocknung ermöglichen.
Teilweise ist ein baumfreier Sicherheitsabstand zwischen Straße und Wald zweckmäßig. Durch Hiebsmaßnahmen sind die Seitenwindverhältnisse nicht zu verändern.


Die Beschreibungen von weiteren Waldfunktionen folgt in Kürze.
Fragen zum Thema Waldfunktionen und zu den Karten beantwortet gerne Frau Berens (astrid.berens@wald-rlp.de).