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Naturwaldreservate (NWR)
Mörderhäufel und Stuttpferch
Von Patricia Balcar

Karte:
Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz TOP 50
Die beiden im Bienwald gelegenen
Naturwaldreservate Mörderhäufel und Stuttpferch gehören zu den
ältesten Flächen im Netz rheinland-pfälzischer Naturwaldreservate,
die regional bedeutsame Standorte bzw. Waldgesellschaften
repräsentieren. Hauptziel ist die Dauerbeobachtung der natürlichen
Entwicklung von Waldlebensgemeinschaften, also von Baumwachstum,
Waldverjüngung und Totholz sowie von Pflanzen, Tieren und Pilzen.
Die Ergebnisse sind Entscheidungshilfen für den naturnahen Waldbau,
z.B. zu Fragen des Gelingens von Naturverjüngung oder der Mengen an
verbleibendem Totholz. In diesen Flächen sind daher alle Prozesse,
Lebensräume und die Artenvielfalt geschützt.
Seit zum Teil mehr als 40 Jahren wird auf jegliche Pflege oder
Bewirtschaftung des Waldes verzichtet, der sich nunmehr natürlich
zum „Urwald von morgen“ weiterentwickelt. Das NWR Mörderhäufel wurde
wegen seiner beeindruckenden, damals bis zu 340jährigen, licht
stehenden Stieleichen ausgewählt, im NWR Stuttpferch stand ein voll
geschlossener 150-160jähriger Eichenbestand.
Die Wälder beider Naturwaldreservate wurden 1993/94 von
Schwammspinnerraupen kahl gefressen. Gemäß ihrer Zielsetzung wurde
gegen den Befall nichts unternommen mit der Folge, dass zunächst
etwa zwei Drittel, später bis zu 80 % der Eichen abgestorben waren.
Zusammenbrüche abgestorbener Bäume zusammen mit wiederholten
Windwürfen haben die Flächen stark verlichten lassen. Die sich
daraufhin explosionsartig entwickelnde Verjüngung besteht vorwiegend
aus Hainbuchen, Feldulmen und Schwarzerlen.

Fotos: Jörg Haedeke
Seit 1995 wurden Untersuchungen
ausgewählter Gruppen an Flora und Fauna zur Charakterisierung der
Waldlebensgemeinschaft durchgeführt:
Totholzkäfer:
Mit 1.085 auf beiden Flächen nachgewiesenen Käferarten, davon 440 an
Totholz angewiesenen, gehören die Bienwaldreservate zu den
artenreichsten Reservaten in Deutschland. Diese in den Jahren 1996
und 1997 ermittelten Werte sind inzwischen durch weitere
Untersuchungen der „Rheinischen Koleopterologen“ überflügelt und
betrugen 2008 2.637 verschiedene Käferarten.
Fledermäuse:
Mit 12 Fledermausarten wurden 1999 in den beiden Flächen 60 % der in
Rheinland-Pfalz lebenden Arten nachgewiesen (Bechstein-, Fransen-,
Wasser-, Zwerg-, Wimper-, Rauhhautfledermaus, Große bzw. Kleine
Bartfledermaus, Großes Mausohr, Braunes Langohr, Großer und Kleiner
Abendsegler).
Vögel:
Von 58 dort lebenden Brutvogelarten wurden 2002 die meisten wegen
seines hohen Strukturreichtums im NWR Stuttpferch nachgewiesen. Dort
war im Vergleich zu NWR Mörderhäufel mit 114 Brutrevieren/10 ha eine
doppelt so hohe Revierdichte und eine hohe Zahl an besonderen Arten
zu finden: 7 heimische Spechtarten (inkl. Wendehals) sowie Pirol,
Hohltaube, Waldschnepfe und Mauersegler.
Pilze:
Mit rund 200 verschiedenen Großpilzarten, vorwiegend am
abgestorbenen organischen Substrat lebenden Arten, wurden 1996/97
offensichtlich keine günstigen Pilzjahre angetroffen.
Zwischenzeitlich wiederholte Untersuchungen (1999 und 2003) ergaben
mit 244 für NWR Mörderhäufel und 253 für NWR Stuttpferch deutlich
höhere Artenzahlen.
Moose:
Mit jeweils 93 Moosarten auf jeder Fläche (im Jahr 1997) erwies sich
die Gruppe der Moose als nur relativ artenreich im Vergleich zu
anderen Naturwaldreservaten.
Flechten:
Mit 60 bis 70 verschiedenen Flechtenarten auf beiden Flächen wurden
1998 einige Seltenheiten, vorwiegend aber weitverbreitete Arten
vorgefunden.
Die Ergebnisse zeigen einerseits, wie sich Waldbestände infolge von
Kahlfraßereignissen und Stürmen ohne Ergreifen von Schutz- oder
Folgemaßnahmen weiterentwickeln können und welcher Reichtum an
Strukturen und Lebensräumen dadurch entsteht. Andererseits stellt
sich die drängende Frage nach der Zukunft der Baumart Eiche, die
zwar zur natürlichen Waldgesellschaft des Bienwaldes gehört, jedoch
in der nachfolgenden Generation natürlich verjüngt derzeit kaum zu
finden ist.
Weitere Informationen finden Sie
unter:
www.wald-rlp.de/index.php?id=2565&L=0
Anschrift der Autorin:
Dr. Patricia Balcar
Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft
Abt. Wald- und Wildökologie
Hauptstr. 16
67705 Trippstadt
e-mail:
patricia.balcar@wald-rlp.de
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