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Granatsplitter in Eichenstämmen

Von Johannes Becker und Oliver Röller

Die Granatsplitter in den Bäumen werden uns noch lange an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte erinnern.
Der Bienwald wurde besonders im Bereich des Westwalls, von den Alliierten massiv bombardiert.

Mehr als 60 Jahre nach Kriegsende ist die Forstwirtschaft im Bienwald immer noch von den Folgen des Zweiten Weltkrieges betroffen. Granatsplitter im Holz erhöhen nicht nur den Aufwand bei der Holzernte, sie schmälern auch den Verkaufserlös des Holzes beträchtlich.
Bäume die heute 70 Jahre und älter sind, waren während dem Krieg schon groß genug, um Splitter aufzufangen, ohne dabei abzusterben.

Direkt nach 1945 waren die Schäden an den Bäumen oft noch deutlich erkennbar. Heute sind die Splitter jedoch tief eingewachsen, und sichtbare Hinweise meist nicht mehr vorhanden.

Zum Werkzeug eines Waldarbeiters im Bienwald gehört heute deshalb u.a. der Metalldetektor. Gefällte Baumstämme werden damit sorgfältig abgesucht; ertönt ein akustisches Signal wissen die Waldarbeiter, dass bei weiteren Sägearbeiten höchste Vorsicht geboten ist. Stößt die Motorsäge im Holz auf Granatsplitter, kann die Sägekette stark beschädigt werden. Noch sehr viel gravierender wären die Schäden an den Maschinen eines modernen Sägewerks. Deshalb werden die vom Detektor angezeigten Splitter ausgehackt oder großzügig ausgeschnitten.

Die blauschwarzen Flecken im Holz, die auf Bombensplitter hinweisen, werden erst im Stammquerschnitt sichtbar. Metall reagiert mit den Gerbstoffen der Eichen und verfärbt das wertvolle Holz dauerhaft. Die Verfärbungen zieht sich unter Umständen den Holzfasern folgend viele Meter durch den Stamm einer Eiche. Bei anderen Baumarten treten oft nur Faulstellen im Umfeld des Splitters auf. Grundsätzlich wird heute nur noch splitterfreies Holz verkauft. Teilweise ist die Verwendung eingeschränkt. Reine Verfärbungen können bei der Holzverarbeitung noch aussortiert werden, führen jedoch zu Wertverlusten.

  

Die Fotos zeigen durch einen Bombensplitter verfärbtes Holz einer Eiche, mit einem Stammdurchmesser von rund einem Meter. Von außen waren keine Einschlagspuren mehr zu erkennen. Das Holz war rund 10 Zentimeter tief unter der Rinde verfärbt. Zirka ein Fünftel des Holzzylinders war blauschwarz eingefärbt. Mit einem Axthieb wurde die ausgesägte Stammscheibe genau an der Stelle gespalten, wo der knapp daumengroße Metallsplitter im Holz eingewachsen war. Ein Riss im Holz lässt die Wucht erahnen, mit der das Metallstück in den Baum einschlug.

Neben zahlreichen Tier- und Pflanzenexponaten befindet sich im Bienwald-Informationszentrum Steinfeld die Stammscheibe einer Eiche, welche von einem Granatsplitter verfärbt wurde.